Vanbauce: Neustart nach Seurin-Trennung im Padel
Beim FIP Silver in Narbonne lieferte Thomas Vanbauce einen intensiven Kampf gegen ein starkes argentinisches Duo, das später das Finale erreichen sollte. Trotz der Niederlage geht der Franzose mit dem Gefühl vom Court, rivalisiert zu haben – und mit Klarheit über seine Situation: die Trennung von Julien Seurin, der kurze Test mit Philemon Raichman seinen Wunsch, sich auch internationalen Partnern zu öffnen, und sein unverändertes Hauptziel, die französische Nationalmannschaft.
Frustrierende, aber ermutigende Niederlage in Narbonne
Gegen eine sehr erfahrene argentinische Paarung, darunter Franco Dal Bianco, wusste Vanbauce, dass das Los kein Geschenk war. Dennoch hebt er das gezeigte Niveau und die Fähigkeit hervor, ein Team dieser Klasse unter Druck zu setzen.
«Es hat sehr gut gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Match. Wir hatten großen Spaß daran, gegen solche Teams anzutreten. Genau das wollen wir», sagt er. Der größte Ärger betrifft den zweiten Satz: «Im zweiten verlieren wir uns taktisch. Sobald einer den roten Faden verliert, geraten wir beide ab.» Im dritten Satz kehrte die Paarung zurück: «Es war ein harter Fight. Wir hatten die Mittel, es zu schaffen, aber es reichte knapp nicht.»
Das Ende der Partnerschaft mit Julien Seurin
Der Saisonstart 2026 war geprägt von der Trennung von Julien Seurin nach mehreren Monaten gemeinsamer Arbeit. Die Entscheidung beruhte nicht auf persönlichen Problemen, sondern auf einem kollektiven Vertrauensverlust in den entscheidenden Momenten.
«Mit Julien hatten wir wirklich Hoffnung, dass wir gut zusammenpassen. Unsere Spielstile waren komplementär – in den Stärken, aber auch in den Schwächen», sagt Vanbauce. Das Problem sei die Häufung knapper Niederlagen gewesen: «Leicht jede zweite Partie endete 6:4 oder 7:5 im dritten Satz. Wenn das sich häuft, verlierst du Vertrauen.» Entscheidend sei das Misstrauen im Duo als Einheit gewesen, nicht im Partner. «In heißen Phasen wollte ich Dinge kreieren. Er war eher konservativ. Wir fanden uns nicht mehr in unseren Wünschen.» Seurin feierte mit Johan Bergeron bald einen FIP-Titel – Vanbauce wünscht ihm alles Gute und sucht nun selbst die passende Paarung.
Der Test mit Philemon Raichman
Nach der Trennung wollte Vanbauce wieder mit einem Rechtshänder spielen. Sein erster Wunsch galt Yoan Boronad, der jedoch nicht verfügbar war. Daraufhin testete er mit Philemon Raichman in Bandol – doch die Chemie sprang nicht über.
«Ich bin in einer Phase, in der es schnell funktionieren muss. Wir sind mitten in der Saison – ich habe nicht zwei Monate Zeit, um eine Chemie aufzubauen, die von Anfang an nicht da ist», erklärt er. Vanbauce zog eine klare Linie und sprach Raichman früh an, statt die Partnerschaft künstlich zu verlängern.
Französische Partner und ein neues Kapitel
Seit mehreren Saisons spielt Vanbauce überwiegend mit französischen Partnern – ein bewusster Schritt wegen des Equipe-de-France-Projekts. «Mein Ziel Nummer eins ist die Nationalmannschaft. Dafür muss man mit Franzosen spielen können», betont er. Er erinnert an Erfolge mit Maxime Joris und gute Beziehungen zu Dylan und Johan Bergeron.
Gleichzeitig spürt der Bordelais den Drang zur Individualisierung: «Ich will auf mich, mein Projekt, meine Ambitionen und mein Spielniveau fokussieren.» In dieser Logik startet er mit dem Spanier Lucas Miranda – inklusive Wildcard beim P2 in Bordeaux.
Der Platz in der Equipe de France
Die Nationalmannschaft bleibt das Herzstück seiner Ambitionen. Vanbauce wurde für das Vorbereitungslager von Pablo Ayma und Yann Auradou in Vichy nominiert – ein wichtiger Schritt vor der WM-Auswahl. «Maxime Joris ist wirklich der Spieler, den du im Team haben willst. Er steigert sich jedes Mal», sagt er.
Die finale Auswahl fällt im September vor den Französischen Meisterschaften. Auch Spieler, die beim Stage fehlen, können noch berücksichtigt werden, wenn die Sommerresultate überzeugen.
Premier Padel aus anderer Sicht
Wie viele Profis verfolgt Vanbauce Premier Padel, doch sein Blick hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. «Früher habe ich enorm viel geschaut. Heute etwas weniger» – Finals wirken ihm oft repetitiv, auch wenn er die jüngste Partie mit Chingottos Verletzung und der Resilienz von Coello und Tapia lobt. Interessanter sind ihm Duellkonstellationen wie Leo Augsburger gegen Topteams. Als Vorbilder nennt er Javi Garrido und Augsburger – Elemente, die er in seine eigene Identität einbauen will.
Ein voller Sommer vor den großen Terminen
Nach Bordeaux hängt Vanbauces Programm auch vom Nationalteam-Kalender ab. Marnes-la-Coquette Anfang September und die Französischen Meisterschaften stehen an – dort trifft er erneut auf Julien Seurin, mit dem er im Vorjahr das Halbfinale erreichte. Roland-Garros bleibt im Blick, abhängig von Wildcard und einem französischen Partner.
Mit Lucas Miranda an seiner Seite, neuem Selbstvertrauen aus Narbonne und der Einladung nach Vichy arbeitet Thomas Vanbauce an dem Projekt, das er selbst formuliert hat: wieder auf sich selbst, seine Ambitionen und sein Spiel fokussieren.